historisch Interessierte

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Die Entwicklung einer Feuerwehr moderner Prägung begann in Esslingen wie in vielen anderen Städten in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Wie es dazu kam, wie die Entwicklung ihren Weg nahm und wozu es führte lesen Sie in den folgenden Kapiteln.

Hierbei handelt es sich unter anderem um Auszüge aus der Festschrift "150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Esslingen". Diese Festschrift ist zum Jubiläum im Jahr 2002 erschienen und die bei der Geschäftsstelle der Feuerwehr Esslingen erhältlich.

Turnvereine und Bürgerwehren

Reichsstädtische Feuerwehrrotten zum Landesfeuerwehrtag 1888

Zu großen Teilen entstanden die Feuerwehren aus den Turnvereinen, und wie diese seinerzeit als Treffpunkte der fortschrittlichen bis revolutionören Kräften dienten, waren in den jungen Feuerwehren selbst auch oftmals solche Tendenzen vorhanden.

Zum einen erleichterten die Turner aufgrund ihrer "auf dem Turnplatz erworbenen Kraft und Gewandheit die Errichtung tüchtiger Steigerabteilungen"(Magirus). Zum anderen waren die Turnvereine Sammelbecken politisch fortschrittlicher Kräfte, die im Zuge der geistigen Demokratisierung daran interessiert waren, öffentliche Verantwortung und bürgerschaftliche Aufgaben zu übernehmen.

In den meisten deutschen Städten existierten zu dieser Zeit Bürgerwehren und Bürgermilizen. Sie hatten meist eine eher dekorative Aufgabe, so etwa bildeten sie ein Ehrenspalier bei Besuchen des Königs oder waren in ihren Uniformen bunte Beigabe bei öffentlichen Umzügen. Diese Bürgerwehren waren jedoch militärisch organisiert, uniformiert und bewaffnet. Sie repräsentierten eine Art Bürgerstolz, waren sie doch unabhängig und wurden von einem - meist demokratisch gewählten - Bürger als Hauptmann kommandiert. In zunehmendem Maß übernahmen die Bürgerwehren bei Bränden die Bewachung des Brandplatzes und der aus den brennenden Gebäuden geretteten Sachen. So wurden sie zu den Vorläufern der späteren vierten Kompanien der Feuerwehren, der so genannten Schutzkompanien.

Auf diese Weise wurden Bürgerwehren und Turnbewegung zu den unmittelbaren Initiatorinnen der neuen Feuerwehren, und durch diese Verbindung wurde der neuen Einrichtung die Verbundenheit mit dem Ideal der körperlichen Ertüchtigung und der militärischen Organisation sozusagen in die Wiege gelegt.


Der Weg zur Gründung

Bereits im Jahr 1848 erging unter Beteiligung der Turnvereine ein Aufruf an die 18- bis 25-jährigen Esslinger Bürgersöhne zur Errichtung eines Pompiercorps. Dieser erste Aufruf verlief allerdings im Sande, und so beschloss der Gemeinderat 1851 die Errichtung einer Steigerkompanie mit mindestens 80 Freiwilligen.

Im Januar 1852 forderte der Gemeinderat zum Eintritt in ein freiwilliges Pompier- und Schutzcorps auf. Als nun der Esslinger Rechtskonsulent Theodor Georgii, in seiner Studienzeit 1847 Mitbegründer der Tübinger Feuerwehr, auf den 30. August 1852 zu einer Versammlung zwecks Gründung einer freiwilligen Steigerkompanie in den "Schwanen" einlud, folgten dieser Einladung etwa 80 Männer, allesamt aus dem Turnerstand. Die Löschhilfe war seinerzeit moch Pflicht aller Esslinger Bürger. Die neue Steigerkompanie sollte nun neben dieser "Pflichtfeuerwehr" exisitieren und Aufgaben übernehmen, die bis zu diesem Zeitpukt schlecht gelöst worden waren.

Die Versammlung im Schwanen beschloss die Errichtung einer solchen Steigerkompanie und wählte Georgii zum Hauptmann. Der 30. August 1852 wurde als offizieller Gründungstag der Kompanie im neuen Protokollbuch der Esslinger Feuerwehr festgesetzt.


Aufbau und Organisation

Fotomontage aus dem Jahr 1898 der 4. Kompanie mit Gewehr und Degen

Die Entstehungsgeschichte der Feuerwehren ging oft nicht so unkompliziert vonstatten, wie wir uns das heute vorstellen mögen. Vielmehr verlief sie über viele Stufen der Pflicht- und freiwilligen Wehren. Technische Gegebenheiten wie einfacher zu bedienende Feuerlöschgeräte und moderne Wasserleitungen bildeten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erst die Voraussetzungen für kleinere, vollständig freiwillig organisierte Feuerwehren. Auch in Esslingen existierten freiwilliger und Pflichtbereich noch lange nebeneinander.

Die neu gegründeten Feuerwehren waren nach militärischem Vorbild organisiert. Eingeteilt in Kompanien und Züge standen ihnen Kommandanten, Adjutanten, Hauptleute, Oberleutnants und Leutnants vor. An der Spitze der Esslinger Feuerwehr stand der von Kommandant, Adjutanten und den Hauptleuten gebildete Verwaltungsrat, der sich mehr oder minder regelmäßig traf und die laufenden Verwaltungsgeschäfte erledigte. Die Hauptleute führten zusammen mit den Oberleutnants die Kompanien, die Züge (in der Regel zwei pro Kompanie) wurden von den Leutnants und Unterleutnants (Obmänner) geleitet.

Die Offiziere wurden gewählt: Kommandant und Adjutanten von der gesamten Mannschaft, Hauptleute und Oberleutnants von den betreffenden Kompanien, Leutnants und Obmänner in den einzelnen Zügen. Weiterreichende Entscheidungen, etwa im personellen Bereich, wurden in Plenar- oder Hauptversammlungen, die in der Regel ein mal jährlich stattfanden, von dem gesamten Corps per Abstimmung entschieden. Während also die Organisation des Corps bis hin zu den Rangbezeichnungen stark militärisch geprägt war, herrschten intern demokratische Prinzipien wie die freie und geheime Wahl der Vorgesetzten.

Die Kompanien hatten jeweils eigene Zuständigkeitsbereiche. Die 1. Kompanie umfasste die Arbeitsmannschaft und Einreißer, die den Weg für die Rettungsmannschaft frei machten. Die Rettungsmannschaft mit Steigern und Austrägern bildetet die 2. Kompanie. Die 3. Kompanie bestand aus der Spritzenmannschaft mit Schlauchführern, Pumpern und Buttenträgern, ihr wurde später die Hydrantenabteilung angegliedert. Die 4. Kompanie schließlich war die Schutzmannschaft. An der Organisation der Esslinger Feuerwehr hat sich im Wesentlichen bis 1895 nichts geändert. Damals wurde die Weckerlinie, die aus zentral gesteuerten Alarmglocken in den Wohnungen der Feuerwehrangehörigen bestand, eingeführt. Erst die NS-Zeit brachte gravierende Umstrukturierungen, als die Aufgabenteilung der Kompanien endgültig aufgegeben und der "Einheitsfeuerwehrmann" geschaffen wurde.


Die Grosmannsche Neuorganisation

Die Esslinger Feuerwehr war in ihren Anfängen mit Pflichtmannschaft und freiwilliger Steigerkompanie gleichsam ein Zwitter. Die Pflichtmannschaft, gebildet aus Esslinger Männern, die das Bürgerrecht besaßen, stellte den weitaus größeren Teil dar. Überdies gab es verpflichtete Fuhrleute, die mit ihren Pferden die Löschgeräte zum Brandplatz bringen, und Feuerreiter, die bei größeren Bränden Hilfe von außerhalb holen mussten.

Da mit der Einrichtung der gut funktionierenden freiwilligen Steigermannschaft die Arbeitsmoral der Verpflichteten in zunehmendem Maß zu wünschen übrig ließ, dachte man in der Stadt bald über eine Neuorganisation der Feuerwehr nach. Doch erst der spätere Landesfeuerlöschinspektor Friedrich Grosmann, 1866 zum Hauptmann der Steigerkompanie gewählt, brachte Bewegung in das erstarrte Institut der Pflichtfeuerwehr.

Grosmann nahm die Wahl zum Hauptmann nur unter der Bedingung an, das Kommando über alle Kompanien zu bekommen. Bisher hatte noch die inzwischen jedoch weitgehend zur Bedeutungslosigkeit herabgesunkene Stelle des städtischen Oberkommandanten existiert. Grosmann erweiterte die freiwillige 1. Kompanie, so dass die 2. und 3. Kompanie nur noch bei entsprechenden Großbränden ausrücken mussten. Grosmanns Reformen waren erfolgreich: Nun gab es eine attraktive, gut ausgerüstete freiwillige Mannschaft, die einen starken Andrang erlebte. Nach dieser ersten Neuorganisation galt die Esslinger Feuerwehr als Vorbild für viele Wehren im südwestdeutschen Raum, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten. 1871 wurde die Pflichtmannschaft ofiziell zur Reservemannschaft umorganisiert. In der folgenden Zeit meldeten sich so viele Bürger zur Feuerwehr, dass 1873 Aufnahmekarten und Wartelisten eingeführt werden mussten.

Das Konzept der Freiwilligkeit hatte in Esslingen Erfolg: Durch die Erweiterung der freiwilligen Mannschaft stieg die Attraktivität der Feuerwehr für den Bürger. Als aufgrund einer neuen Landesfeuerlöschordnung die Pflichtmannschaft 1887 aufgelösdt und die Esslinger Feuerwehr endlich zu einer rein freiwilligen Einrichtung wurde, wuchs die Mannschaftszahl durch einen erneuten Ansturm auf das Corps (allein im Jahr 1889 gab es 631 Neueintritte) auf Rekordhöhe an.


Der Aufstieg zum bürgerlichen Sicherheitsinstrument

Freiwillige Feuerwehr Esslingen im Jahr 1898 mit Pferdefuhrwerken und Messinghelmen

Die Entwicklung der Technik spielte, zumal in einer so fortschrittsgläubigen Zeit wie dem 19. Jahrhundert, eine sehr wichtige Rolle. Die in großem Umfang zunehmende industrielle Produktion schuf synthetische, zum Teil extrem feuergefährliche Stoffe, was neue Löschverfahren und -techniken erforderte. So waren die Feuerwehren seit ihrer Entstehung Begleiterinnen des Fortschritts, ihre Arbeit und Ausrüstung orientiert sich bis heute an denn aktuellsten industriellen Entwicklungen. Durch technische Innovationen wurde die Feuerwehr effizienter, konnte verkleinert werden und so schneller und effektiver arbeiten. Auf diese Weise avancierte sie bald zu einem anerkannten Sicherheitsinstrument. Zum ersten Mal wurde im Jahr 1868 ein städtischer Feuerlöschetat in den Protokollbüchern der Feuerwehr erwähnt. Unter dem 3. September 1868 taucht folgende Eintragung auf: "Der Commandant teilt mit, daß die bürgerlichen Collegien die in den neuen Etat pro 1968/69 aufgenommene Anschaffung eines neuen Hydrophors, neuer 25 Stück Steigerlaternen sowie eines Transportwagens für den auswärtigen Dienst genehmigt haben."

In den folgenden Jahrzehnten bis zum 1. Weltkrieg konnte die Feuerwehr mit einerm städtischen Etat für Neuanschaffungen rechnen, für laufende Kosten wie Zeitungsannoncen, Dienergebühr, Musik und Feste musste sie selber aufkommen.

Dass sie Esslinger bürgerlichen Kollegien sich recht großzügig gegenüber der Feuerwehr zeigten, bewies die Kostenübernahme teurer technischer Anlagen wie des Feuertelegrafen (1891) und der Weckerlinie (1895). Die Feuerwehr Esslingen besaß als eine der ersten in Württemberg Automobilspritze (1920) und Autodrehleiter (1922) und hatte schon 1923 eine zweite Automobilspritze im Einsatz, als die Feuerwehren vergleichbarer württembergischer Städte von der Motorisierung vorerst nur träumen konnten. Nach dem 1. Weltkrieg bekamen die Esslinger eine seinerzeit hochmoderne Feuermeldezentrale von Siemens & Halske in das zweite Obergeschoss ihres Magazins eingebaut, erhielten 1933 eine Automobilspritze mit Schaumlöschverfahren und konnten auch während des Dritten Reiches die Motorisierung weiter betreiben.


Die Weckerlinie

Militärisch einheitlich wirkende Weckerlinie von 1932

Die Weckerlinie galt Ende des 19. Jahrhunderts als technische Höchstleistung im Feuerlöschwesen. In einer Stadt von der Größe Esslingens waren 20 bis 30 Feuerwehrleute durch ein elektrisches Läutwerk in ihren Häusern direkt mit der Alarmzentrale, in Esslingen damals noch in der Polizeiwache, verbunden. So konnte bei einem Brand direkt alarmiert werden, ohne dass Signalisten durch die Stadt laufen mussten und die Bevölkerung sofort davon erfuhr. Ausgerüstet mit den besten Geräten und unter der Voraussetzung minutenschneller Einsatzbereitschaft genügte meistens die recht geringe Zahl an Feuerwehrmännern, um einen Brand zu löschen.

Nach einer Besichtigung der Weckerlinie in Heilbronn, die 1893 eingerichtet worden war, beschloss der Verwaltungsrat der Feuerwehr im Februar 1895 eine Eingabe an den Gemeinderat um Errichtung einer Weckerlinie in Esslingen. Erstaunlich schnell, bereits einen Monat später, kam die städtische Zusage. Die Feuerwehr war auf offene Ohren gestoßen, denn im Oberbürgermeister fand sie einen Verfechter ihres Wunsches. So konnte schon im April 1895 die Weckerlinie Esslingen gegründet werden.

24 Feuerwehrleute und zwei Fuhrwerksbesitzer wurden angeschlossen. Die Feuerwehrleute waren allesamt selbständige Handwerker aus der Nähe des Magazins, die die meiste Zeit zu Hause verbrachten - eine wichtige Voraussetzung für eine effektive Alarmierung. Auch die Fuhrwerksbesitzer wohnten in der Nähe des Magazins. In einer Rede 1909 erzählte der Weckerlinienleutnant und spätere Kommandant Karl Mayer dazu folgende Anekdote: "Was unsere Bespannung anbelangt, so funktioniert dieselbe in Bezug auf die Pferde vorzüglich. Es kam bei uns vor, dass ein Pferd in flottem Trab an unser Magazin kam, weil es nicht warten wollte, bis sein Kamerad eingeschirrt war. Kurz - es kam allein, und der Fahrer kam auf dem anderen Pferde nachgeritten".

Am 7. September 1895 unternahm die Weckerlinie ihre erste Übung mit bespannten Geräten. Danach fuhr sie durch die Stadt, um den Einwohnern die neue Errungenschaft vorzuführen. Erst im Spätherbst wurde sie dann offiziell eingeweiht. In den zwanziger Jahren erhielt die Weckerlinie neue Geräte, nämlich die bereits erwähnten Kraftfahrzeuge, und galt dann wieder als hervorragend ausgerüstet.


Guter Ruf und eigenes Häusle

Altes Spritzenhaus in der ehemaligen Kiesschule mit Steigerturm

Besonders wichtige Voraussetzung für eine Mitgliedschaft in der Feuerwehr war, neben der körperlichen Tauglichkeit, ein unbescholtener Ruf. Die Feuerwehrtheoretiker wiesen immer wieder darauf hin: "Die Grundlage der freiwilligen Feuerwehr ist Vorsicht in der Aufnahme der Miglieder. Zweifellose Ehrenhaftigkeit muss Grundbedingung der Aufnahme sein und jede unehrenhafte Handlung muss den Ausschluss zur Folge haben." Die Aufgabe einer Feuerwehr bestehe darin,"die besten Kräfte der Einwohner des Ortees in sich zu vereinigen", was voraussetzte, dass "das Corps sich ... die Achtung der Behörden und der Bevölkerung sichert." (Magirus). Die freiwillige Übernahme ehrenamtlicher Aufgaben wie das Retten von Menschen und Bewachen von fremdem Eigentum setzte einen guten Leumund voraus, um das nötige Vertrauen in der Bevölkerung zu gewinnen. Die Gründung der freiwilligen Steigerkompanie richtete sich dementsprechend an alle Esslinger Bürger im dienstfähigen Alter und mit gutem Ruf. Deshalb wurden auch in den späteren Jahren immer wieder Erkundigungen über Bewerber eingezogen, die dem Verwaltungsrat nicht näher bekannt waren.

In seinem Gründungsprotokoll erwähnte Georgii, dass sich zur Gründungsversammlung "eine ziemliche Anzahl junger Männer aus allen Classen der Gesellschaft" zusammengefunden hatte. Sieht man die Mitglieder- und Anmeldelisten jedoch einmal durch, wird deutlich, dass der weitaus größere Teil der Feuerwehrmänner aus der besitzenden Schicht der selbständigen Handwerker und Kaufleute kam. Das galt vor allem für die Chargen. Handwerker und Kaufleute waren noch am ehesten am Arbeitsplatz kurzfristig abkömmlich und hattem zudem als Hausbesitzer, die sie oft waren, ein natürliches Interesse an der wirksamen Bekämpfung von Bränden. Handwerksgesellen oder gar Tagelöhner fanden sich weitaus seltener in den Reihen der Feuerwehr, deren bürgerliches Selbstverständnis den besitzlosen Klassen wohl eher entgegenlief.


Veränderungen in der NS-Zeit

Abschreiten der Feuerwehrmannschaft 1934 durch den Oberbürgermeister Dr. Klaiber

Das "Dritte Reich" war ein bedeutender Einschnitt in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehren. Die Nationalsozialisten griffen entscheidend in das Feuerlöschwesen ein, der diktatorische Staat riss alle Aufgaben der öffentlichen Ordnung an sich. Die Feuerwehren wurden "gleichgeschaltet", neu organisiert und zentralisiert. Mit dem "Preußischen Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 1. Januar 1934" wurden die Feuerwehren aus ihrer privatrechtlichen Grundlage als Vereine genommen und als "Polizeiexekutive besonderer Art" im Polizeirecht verankert, Es wurde der Begriff der Feuerlöschpolizei geschaffen.

Auch in Esslingen kam es zu Neuorganisationen, die große Enttäuschung auslösten. Bereits zum 1. Oktober 1933 sollten der Verwaltungsrat, die Spielleute, der Löschzug 3, die Löschzüge Mettingen und Oberesslingen aufgelöst und am 1. Januar 1934 die restlichen 13 Filial-Löschzüge unter insgesamt fünf Kommandos gestellt werden. Der Verwaltungsrat leistete gegen diese Verkleinerung zunächst Widerstand, Die Stadt Esslingen jedoch, in den frühen dreißiger Jahren auf dem Gipfel einer wirtschaftlichen Krise, musste dringend sparen. So wurde 1933 eine Kommission zur Verkleinerung der Wehr gebildet.

Von ursprünglich 840 blieben am Ende der Maßnahmen noch 350 Feuerwehrleute übrig, 90 davon in Esslingen selber. Die Löschzüge Mettingen und Oberesslingen waren aufgelöst worden, ebenso wurden die Zusammenlegungen vollzogen. Es blieb jedoch ein neu ernannter Verwaltungsrat bestehen, der sich übrigens kaum vom alten unterschied, er war lediglich etwas kleiner. Nationalsozialisten hatten keine führenden Positionen inne. Kommandant Albert Gänzle und Hauptmann (und späterer Kommandant) Friedrich Haug waren Gemeinderäte der Deutschen Demokratischen Partei (aufgelöst in Esslingen am 28. Juni 1933). Erst der 1938 eingesetzte Wehrführer Karl Fischer war bis zu seiner Ernennung zum Löschzugführer 1934 Mitglied in der SA.


Bombennächte

Feuerwehr löscht nach Bombenangriff in der Vogelsangstraße

Seit 1933 wurden die Feuerwehr auf ihre Aufgabe in einem neuen Krieg vorbereitet. Eine zunehmende Aufgabenorientierung an den Erfordernissen des Kriegs, vor allem im Bereich des Luftschutzes, des Gasschutzes und des Entgiftungsdienstes, wiesen deutlich den Weg der Einbindung in die Kriegsmaschinerie der Nazis.

Hitlers Wahn vom Großdeutschen Reich und Weltherrschaft bekam auch die Esslinger Feuerwehr zu spüren. Ab 1942 musste sie insgesamt 32-mal (14-mal in Esslingen, 18-mal außerhalb) zu Großeinsätzen nach Luftangriffen ausrücken. Die Nähe zu Stuttgart wirkte sich fatal aus, denn es kam vor, dass die Esslinger Feuerwehr zu einem Bombenangriff nach Stuttgart ausrücken musste, während auch Esslingen selbst von dem gleichen Angriff betroffen war. Besonders hart traf es die Esslinger Feuerwehr im Juli 1944, als sie zunächst vom 21. bis 23. in Liebersbronn im Einsatz war, und dann am 25., 26., 28. und 29. nach Stutttgart ausrücken musste. Die Luftangriffe und Löscheinsätze fanden stets nachts statt, und die Mannschaften waren durch Einberufungen und meist ältere und teilweise unerfahrene Ersatzleute bedeutend geschwächt. HJ-Angehörige oder Frauen kamen in Esslingen im Gegensatz zu anderen Städten jedoch nie zum Einsatz.


Demokratischer Neubeginn

Nach der Kapitulation kamen die Feuerwehren in den Zuständigkeitsbereich der Aliierten. Sie wurden "entnazifiziert" und in den meisten Orten die Kommandanten gewechselt. Die Feuerwehr gehörte also nicht länger zur Polizei, sondern wurde wieder eine eigenständige Organisation unter Aufsicht der Militärverwalter.

Dem Kommandantenwechsel kam Karl Fischer durch seinen Rücktritt im September 1945 zuvor. Die amerikanische Militärregierung musste nun einen neuen Kommandanten ernennen und fand in dem bisherigen Stellvertreter Fischers, Paul Friesch, den geeigneten Mann: "Nachdem kürzlich Oberbürgermeister Dr. Landenberger mitgeteilt hat, daß der zukünftige Wehrführer ein Mann sein müsse, der der Partei nie angehört hat, bat er, einen Vorschlag für die Nachfolge Fischers zu machen. Schließlich it es gelungen, den Wehrmeister der Feuerwehr Friesch, Paul, der seit 1926 der hiesigen Wehr angehört, zu bewegen, das Amt des Wehrführers zu übernehmen. Er hat allerdings die Bedingung angeknüpft, daß die bisherigen Führer in ihren Stellungen bleiben und ihn in der bisherigen Weise unterstützen. Friesch übernahm den Posten und blieb Kommandant bis 1953. In dieser Zeit wurden die demokratischen Strukturen (Wahlen, Hauptversammlung...) sukzessive wieder eingeführt.


Das Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen

Festumzug zum 100-jährigen Bestehen

Das Jubiläum im Jahr 1952 fiel, der Zeit entsprechend, üppig aus. Auch damals wurde während der gesamten Festwoche Wert auf die Information der Bevölkerung gelegt. Nach der offiziellen Eröffnung im Städtischen Saalbau fand am Samstag ein Unterhaltungsabend der Gesamtfeuerwehr statt. Am Montag wurden auf dem inneren Burgplatz die Löschfahrzeuge und die Drehleiter vorgeführt, die Löschgruppen aus Rüdern und Sulzgries demonstrierten am Dienstag das Bedienen einer alten Handdruckspritze. Anschließend folgte ein Löschangriff durch die Löschgruppen Hegensberg und Wäldenbronn. Die Vorführung eines Löschangriffs unter Verwendung von Schaum durch die Feuerwehren aus Esslingen, Bernhausen und Plochingen war für Mittwoch geplant. Auch die Werkfeuerwehren der Maschinenfabrik Esslingen, der Württembergischen Baumwollspinnerei und der Weberei Brühl zeigten am Donnerstag ihr Können mit dem schweren Gasschutzgerät. Am Freitag führte die Firma Minimax ihre damals modernsten Löschgeräte vor. Eine Stadtrundfahrt, die Kranzniederlegung auf der Maille sowie weitere Vorführungen standen am Samstag auf dem Programm. Der große Jubiläumsfestakt am Samstag und ein großes Sonnwendfeuer am Sonntag bildeten den Höhepunkt und Abschluß der Jubiläumswoche. "Tausende hatten sich um die Mittagszeit auf dem Marktplatz eingefunden, um die Übung der Esslinger Wehr zu sehen. Aus zwei Dutzend Strahlrohren ergoß sich eine Wasserflut gen Himmel, und in der Mitte des imposanten Wasserdoms stieg ein Strahl senkrecht auf. Das Schauspiel auf dem flaggengeschmückten Platz fand den ungeteilten Beifall der Zuschauer, von denen einige bei einem plötzlichen Schlauchbruch ganz unfreiwillig durchnäßt wurden, was aber die Freude an dem Vergnügen nicht mindern konnte" (Esslinger Zeitung, 23.6.1952). Der damalige Oberbürgermeister Dr. Dieter Roser wünschte sich in seinem Grußwort "ein neues Jahrhundert kameradschaftlicher Zusammenarbeit und bürgerschaftlicher Solidarität". Er dankte all den Männern, "die im Laufe dieses Jahrhunderts treu und hingebend dem Feuerschutz unserer Bevölkerung, unserer Heime und unserer Betriebe gedient haben, die Arbeitskraft, Verdienst und Freizeit, oft auch ihre Gesundheit geopfert haben" (Festschrift 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Esslingen a.N.).


Ausgewählte Fahrzeugbeschaffungen der 50er Jahre

Schlauch-Rüstwagen  von 1952
  • Der Schlauch-Rüstwagen von 1952
    Als Sonderanfertigung zum 100jährigen Bestehen wurde im Jahr 1952 ein Gerätewagen, ein sogenannter Schlauch-Rüstwagen, an die Freiwillige Feuerwehr Esslingen ausgeliefert. Es war das erste Esslinger Feuerwehrfahrzeug mit Funk und in dieser Form einmalig. Gewählt wurde ein Magirus-Rundhauber in Omnibusbauform mit Holzaufbau und Omnibusmotor. Es sei bemerkt, dass es sich um den ersten Magirus-Rundhauber in Esslingen handelte, dem noch zwei weitere folgen sollten.

    Für die Zusammenarbeit mit der US-Feuerwehr (Kasernen, Flughafen) waren Übergangsstücke auf amerikanische Kupplungen vorhanden. Seinerzeit war der Schlauch-Rüstwagen das meistbenutzte Feuerwehrfahrzeug.

    Voller Stolz berichtete der damalige Feuerwehrkommandant Paul Schneider in einem Manuskript zum Stand des Feuerlöschwesens in der Stadt der Esslinger Bürgerschaft:"Ein großes technisches Wunderwerk ist der Schlauch- und Gerätewagen. Er zählt nicht zu den Löschfahrzeugen, denn er besitzt keine Pumpe. Dafür ist er ein kleines Elektrizitätswerk. Mit seinem 130 PS-Dieselmotor treibt er einen Stromerzeuger an und liefert Drehstrom von 380 Volt und Wechselstrom von 220 Volt Spannung. Die Anlage ist ohne weiteres in der Lage, den Lichtstrom für ein kleines Ortsnetz zu liefern. Der erzeugte Strom kann außer für Beleuchtungszwecke zur Aufhellung der Brandstelle und ihrer Umgebung, zum Antrieb einer im Fahrzeug eingebauten Motorwinde, eines sogenannten Spills verwendet werden. Man ist damit in der Lage, eine Zugkraft von 3 Tonnen direkt zu entwickeln, oder über Flaschenzüge diese noch auf ca. 12 Tonnen zu vergrößern. Diese Winde wird hauptsächlich zum Heben von umgestürzten Fahrzeugen verwendet.

    Atemschutzgeräte mit Sauerstoffzufuhr, Wiederbelebungsapparat, Werkzeuge aller Art, autogene Schweiß- und Schneidgeräte, Flaschenzüge, Hebezeug, schwerste Winden sind in reichem Umfang vorhanden. Ein aufblasbares Schlauchboot zur Rettung von Personen aus Wassersnot ist gleichfalls im Schlauch- und Gerätewagen enthalten. Ein anderer Kasten birgt ein tragbares benzinelektrisches Stromerzeugergerät für 24 Volt mit zahlreichen Scheinwerfern, Beleuchtungskörpern für Notbeleuchtung und langen Kabeln. Eine durch Benzinmotor angetriebene Kettensäge erleichtert die Arbeit, wenn Gebälk oder Bäume aus dem Weg geschafft werden müssen. Eine vollständige Telefonanlage mit Kabeln kann aufgebaut werden. Außen am Fahrzeug ist ein Lautsprecher als Kommandogerät angebracht, der die Befehlsübermittlung auf etwa 200 m ermöglicht.

    Tief in seinem Innern birgt das Fahrzeug noch etwa 800 m B-Druckschläuche. Sie sind so geschickt eingelegt, dass man nur ein oder zwei Enden zu ergreifen braucht und - direkt vom Fahrzeug herunter - eine achthundert Meter lange oder parallel nebeneinander zwei 400 m lange Schlauchleitungen ausfahren kann. Wer möchte nicht gerne ein solches Fahrzeug als Kraftfahrer oder Feuerwehrmann bedienen?"
  • Ein neuer Rettungsweg aus Stahl
    Die Beschaffung der neuen Drehleiter im Jahr 1955 ging nicht ohne Probleme vor sich. In die Kaufentscheidung waren neben der Freiwilligen Feuerwehr Esslingen auch der Gemeinderat und der damalige Oberbürgermeister Dr. Dieter Roser involviert. In der Gemeinderatssitzung, in der der Kauf der Drehleiter beschlossen wurde, entschied man sich gegen den Willen der Mehrzahl der Feuerwehrleute nicht für ein Produkt aus dem Hause Magirus, wie zuvor wohl angenommen wurde, sondern für eine Drehleiter auf Mercedes-Benz-Fahrgestell mit einem Metz-Aufbau. Es sollte das erste Mercedes-Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Esslingen werden, hatte man doch bis dahin einen reinrassigen Magirus-Stall. Lediglich der Stabswagen bildete eine Ausnahme. Die Entscheidung fiel aufgrund der Tatsache, dass die Mercedes-Metz-Leiter bei nach Norm gleichen Leistungen billiger war. Die Mannschaft der Feuerwehr wurde vor vollendete Tatsachen gestellt, jeglicher Einspruch wurde mit der Begründung abgelehnt, "dass das Fahrzeug schon bestellt sei". Etwa 30 Mann der Abteilung Stadtmitte drohten mit einem geschlossenen Austritt aus der Feuerwehr, falls das Fahrzeug so bestellt würde. Unter anderem wies man darauf hin, dass die Ersatzteilvorhaltung beim Kauf eines gleichen Fahrgestells wie bei den seitherigen Fahrzeugen einfacher und billiger sei. Der damalige Kommandant, der bei der Gemeinderatssitzung anwesend war und die Entscheidung für eine Mercedes-Metz-Leiter entgegen der Mehrheit der Feuerwehrleute befürwortete und mittrug, bot den sofortigen Rücktritt an. Die Mannschaft jedoch sprach ihm das uneingeschränkte Vertrauen aus, so dass er im Amt blieb. Im Dezember 1955 kam die Drehleiter dann zur Auslieferung.

    Anscheinend war die Drehleiter nicht so schlecht wie der Ruf, der ihr vorauseilte, denn nach einiger Zeit verstummten die rebellischen Stimmen, und das Fahrzeug wurde allgemein angenommen. Die Drehleiter blieb in Dienst bis 1988 und wurde nach längerer Standzeit an den Verein der Feuerwehr Oldtimerfreunde Esslingen e.V. abgegeben, deren erstes großes Werk die Restaurierung dieses wertvollen Fahrzeuges war.
  • Das "Doppeltank"-Tanklöschfahrzeug
    Im Jahr 1955 wurde das zweite Tanklöschfahrzeug der Esslinger Wehr mit der Bezeichnung TLF 15 in Dienst gestellt. Der Magirus-Rundhauber soll erwähnt werden, weil in seinem Aufbau eine damals innovative Neuheit zu finden war: Im 2400 l fassenden Wassertank war ein Schaumtank mit dem damals verwendeten Proteinschaummittel eingebaut, der eine schnellere Abgabe von Schaum ermöglichte, als es mit der sonst üblichen Verfahrensweise der Entnahme aus Kanistern und Zumischung mit tragbaren Armaturen möglich war. Allerdings hatten die Gerätewarte nicht allzu lange Freude an der stählernen Konstruktion: Durch Korrosion trat fortwährend Schaummittel in den Wassertank aus, weshalb unfreiwillig mit selbigem Gemisch gelöscht wurde, auch wenn es gar nicht nötig war.

    Wie bei allen folgenden Tanklöschfahrzeugen wurde darauf Wert gelegt, dass zwei Schnellangriffseinrichtungen aus formbeständigem C-Schlauch vorhanden waren. Es war damals üblich, diese bei allen Arten von Bränden der Klasse A (feste, glutbildende Stoffe), also auch bei Wohnungs- und Gebäudebränden, im ersten Zugriff einzusetzen, da mit ihnen nach Inbetriebnahme der Pumpe und Abziehen des Schlauches von der Haspel sofort Wasser gegeben werden konnte. Erst später sollte sich die Erkenntnis durchsetzen, dass mit dieser Einsatzweise nicht unerhebliche Gefahren verbunden sind (tödlicher Dienstunfall in Köln im März 1996) und dass die Zeitersparnis nur bei kurzen Wegen, beschränkter Ausdehnung des Brandes und übersichtlicher Lage gegeben ist, wenn keine weiteren Rohre mehr einzusetzen sind. Deshalb wird heute der Schnellangriffsschlauch innerhalb von Gebäuden in der Regel nicht mehr verwendet.

Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr 1952

Die gesamte Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr Esslingen im Jahr 1952 stellte sich nach einer Aufstellung von Paul Schneider wie folgt dar.

Im Gerätehaus Kiesstraße sind die Löschzüge 1 und 2 untergebracht. Zur Verfügung standen:

  • 2 Tanklöschfahrzeuge (1500 Liter Pumpenleistung je Minute)
  • 2 Löschfahrzeuge (1500 Liter Pumpenleistung je Minute)
  • 1 Drehleiter 18 m Steighöhe
  • 1 Stahl-Drehleiter 30 m Steighöhe
  • 1 Schlauch- und Gerätewagen
  • 1 Personenkraftwagen
  • 1 Sonderfahrzeug mit Waldbrandbekämpfungsgeräten und Tragkraftspritze (800l/min Pumpenleistung)
  • 1 Sonderanhänger mit Schnellkupplungsrohren

Die Ausrüstung der Löschgruppen in den Vororten war derjenigen der Stadt angeglichen.

In Wäldenbronn:

  • 1 Löschfahrzeug 800 l/min Pumpenleistung
  • 1 Hydrantenkarren mit Löschgerät
  •  1 Schiebleiter 12 m

In Hegensberg:

  • 1 Löschfahrzeug 800 l/min Pumpenleistung
  • 1 Schiebleiter 12 m

In Sulzgries:

  • 1 Löschfahrzeug 800 l/min Pumpenleistung

In Rüdern:

  • 1 Löschfahrzeug 800 l/min Pumpenleistung

In Sirnau:

  • 1 Löschfahrzeug 800 l/min Pumpenleistung

In Liebersbronn:

  • 1 Hydrantenkarren mit Löschgerät
  • 1 Schiebleiter 12 m

Auf der Neckarhalde:

  • 1 Hydrantenkarren mit Löschgerät

In Wiflingshausen:

  • 1 Hydrantenkarren mit Löschgerät

Die Alarmierung in den 50er Jahren

In der damaligen Zeit wurden die beiden Innenstadtlöschzüge mit Weckern, die 8 Vorortlöschgruppen mit Sirene alarmiert. Die Alarmierung wurde erst ab März 1960 mit der Einführung der Funkalarmierung in Wäldenbronn schrittweise modernisiert. Zum Stand des Alarmierungswesens ist ebenfalls bei Schneiders Ausarbeitung ein Abschnitt zu finden, in dem die damalige Technik von ihm als Zeitzeugen schön beschrieben wird:

„Im Stadtgebiet Esslingen sind 59 Feuermelder verteilt; in den Vororten sind an verschiedenen gut kenntlich gemachten Stellen Druckknöpfe zur Betätigung der Alarmsirenen angebracht. Darüber hinaus sind in den Vororten eine Anzahl Fernsprechteilnehmer verpflichtet, Feuermeldungen entgegenzunehmen und an die städtische Feuermeldezentrale weiterzuleiten.

Ein Feuermelder ist nichts anderes als ein Kontaktgeber, der seine ihm zugeordnete Nummer – eine dreistellige Zahl – elektrisch an die Feuermeldezentrale weiterleitet und dort auf einem Papierstreifen mittels Morseschreiber aufzeichnet. Gleichzeitig wird die Uhrzeit des Meldungseingangs automatisch aufgeschrieben. Man muss also nur die Glasscheibe des Feuermelders einschlagen und den Knopf drücken. In der gleichen Sekunde beginnt der Morseschreiber zu notieren. Es gibt keine zuverlässigere, schnellere und exaktere Möglichkeit, die Feuerwehr zu alarmieren. Wichtig ist, dass derjenige, welcher den Melder betätigt, dort stehen bleibt und die Ankunft der Feuerwehr abwartet, um zu sagen, wo es brennt.

Der Eingang der Feuermeldung in der Zentrale (welche ständig besetzt ist) führt zur sofortigen Auslösung des Alarmes bei den 50 Mann der Löschzüge 1 und 2. In den Wohnungen und Werkstätten dieser Männer ertönen die dort angebrachten Wecker (daher die alte Bezeichnung Weckerlinie, weil diese Wecker an einer Leitungslinie angeschlossen sind!). Der Alarmeingang löst in der Zentrale eine fieberhafte Tätigkeit des Telefonisten aus: Auf Grund der Morseschrift wird die Lage des Feuermelders ermittelt und dem Hausmeister des Gerätehauses zugesprochen, der seinerseits die jetzt eintreffenden Feuerwehrleute mit ihren Fahrzeugen zur Alarmstelle leitet. Der Telefonist benachrichtigt die gleichfalls durch Wecker alarmierte Polizei, so dass unverzüglich deren motorisierte Bereitschaft in Fahrt gesetzt wird. Die Stadtwerke werden benachrichtigt, um im Bedarfsfall die Pumpwerke und Schieber der Wasserversorgung dem durch einen Brand bedingten großen Wasserverbrauch anzupassen. Die Neckarwerke Elektrizitätswerke AG werden verständigt, um etwa erforderliche Stromabschaltungen durchzuführen.

Erfolgt die Alarmierung in einem Vorort durch die Betätigung des Sirenendruckknopfes, so muss der Alarmierende erst die Glasscheibe einschlagen und dann die Sirene 1 Minute durch Dauerdrücken des Druckknopfes betätigen. Das Feueralarmzeichen ist also Dauerton der Sirene. Der Alarmierende muss die Ankunft der Feuerwehr abwarten und angeben, wo es brennt. Von der Auslösung des Feueralarms muss die Feuermeldezentrale durch Telefonruf 19 in Kenntnis gesetzt werden.

Die Feuerwehr kann natürlich auch über den Fernsprecher über die hierfür extra reservierte Nummer 19 alarmiert werden. Der städtische Telefonist wird dann den Meldenden um die Angabe seiner Telefonnummer bitten und ihn auffordern, den Hörer aufzulegen und beim Apparat zu bleiben, bis ihm zurückgerufen wird. Hiermit soll Missbrauch vermieden und Unfug ausgeschaltet werden. Es ist klar, dass die Meldung über den Fernsprecher meist mehr Zeit in Anspruch nimmt, als die Feuermeldung durch Einschlagen eines Feuermelders. Oft ist der Alarmierende aufgeregt und vergisst, das wichtigste zu sagen. Eine nette Geschichte mag das illustrieren: Eine sonst ganz besonnene und kluge Frau rief in der städtischen Feuermeldezentrale an und rief in das Telefon: „Schnell! Weckerlinie! Bei uns brennts!“ Sie vergaß in der Erregung anzugeben, wo sie wohnt. Der Beamte der Feuermeldezentrale verstand aber: „Schnell! Bäckermühle! Bei uns brennts!“ Natürlich wurde das erste Fahrzeug der Feuerwehr zur Stuttgarter Bäckermühle dirigiert (damals bestand die Vorschrift einer telefonischen Rückfrage beim Alarmierenden noch nicht). Gerade vor der Abfahrt des zweiten Fahrzeugs kam die Feuermeldung über einen Feuermelder, so dass dann die folgenden Fahrzeuge richtig geleitet werden konnten.“


Die Feuerwehr als Bewährungshelfer?

Im April 1952 wandte sich der Beauftragte der Bewährungshilfe für den Amtsgerichtsbezirk Esslingen, Herr Eberhard Schaeufele, mit einer ungewöhnlichen Bitte an den Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Esslingen. Der 19jährige Josef Z. habe sich durch Metalldiebstahl schuldig gemacht und sei vom Amtsgericht mit einer Gefängnisstrafe von vier Monaten belegt worden. „Angesichts seines Flüchtlingsschicksals, ferner des Umstandes dass er aus wenig günstigen häuslichen Verhältnissen herkommt und bei seiner Familie keinen menschlichen Halt finden konnte, und endlich seiner Absicht, demnächst mit einem rechtschaffenen hiesigen Mädchen die Ehe einzugehen“, setzte sich der Bewährungshelfer dafür ein, „dass Z. seine Freiheitsstrafe nicht sofort antreten muss, sondern Gelegenheit erhalten soll in ein besseres Fahrwasser hineinzukommen.“ Auf den Bewährungshelfer machte Josef Z. einen „gutmütigen, aber etwas schlappen Eindruck.“ Er sei „durch das Samba-Milieu, in dem er sich seither offenbar bewegte, verlottert und verweichlicht“ (Brief Schaeufele vom 23.4.1952). Das Amtsgericht Esslingen stimmte der Bitte um Bewährungshilfe mit folgender Auflage zu: „Der Heranwachsende soll sich während der Bewährungszeit zur Stärkung seines Bürgersinnes und zur Herstellung eines achtungsvollen Ansehens bei seinen Mitbürgern am Dienst der Freiwilligen Feuerwehr beteiligen“ (Amtsgericht Esslingen, Beschluss vom 4.4.1952). Da Josef Z. in Feuerbach beschäftigt war und für den allgemeinen Feuerwehrdienst nicht in Betracht kam, sollte er in den Spielmannszug aufgenommen werden. Nach den ersten beiden Wochen fehlte Josef Z. jedoch häufiger bei den Proben, und der Bewährungshelfer musste darüber telefonisch in Kenntnis gesetzt werden. Was aus dem Fall geworden ist, ist unbekannt; ebenso ist unbekannt, ob die Feuerwehr mit solchen Fällen wiederholt konfrontiert wurde. Heutzutage ist dies jedenfalls nicht mehr der Fall! In den Statuten der Freiwilligen Feuerwehr Esslingen ist unter anderem festgesetzt, dass zur Bewerbung um die Aufnahme ein „guter Ruf“ Voraussetzung ist (§3,Absatz 1, Nr.3 der Feuerwehrsatzung von 1997).


Ein Handelsschiff auf Abwegen

Das Schiff als Symbol der Handelsschule

"Ein Schiff muss gehen..." so titelte die Esslinger Zeitung im Jahr 1961, als das allseits bekannte Schiff, das den Giebel der Feuerwache Adlerstraße ziert, von selbigem demontiert wurde. Der Grund: Das Schiff gehörte der Handelsschule, war extra für diese vom Hochbauamt beim Esslinger Flaschner Carl Frey in Auftrag gegeben worden. Mehr als nur eine Flaschnerarbeit, sondern eine wahrhaft detaillierte kunsthandwerkliche Schöpfung, segelte das Schiff zwar patinaüberzogen, aber doch mit stolzgeschwellten Segeln 48 Jahre lang Kurs Süd-Südwest. Als die Handelsschule schließlich aus dem gemeinsamen Gebäude mit der Feuerwehr in einen Neubau, die John F.-Kennedey-Schule in Oberesslingen, umziehen sollte, musste das Schiff mitsegeln. Ganz im Gegensatz zum Willen der Feuerwehr, der vielen aufgebrachten Zuschauer und Nachbarn, die das Spektakel in luftiger Höhe mit ansehen mussten, wurde das Schiff von der Flaschner-Firma abmontiert, in der bereits sein Erschaffer wirkte. So kam das Schiff also in die Pausenhalle der neuen Schule, wo es nur noch für die Schüler und nicht mehr, wie seit 48 Jahren, für die Öffentlichkeit zu sehen war.

Als das Schulgebäude an der Schorndorfer Straße an den Landkreis veräußert wurde, stand die Zukunft des Schiffs wieder offen. Ein Jahr später, am 17.August 1987, kehrte das Schiff wieder auf seinen angestammten Platz auf der Feuerwache Adlerstraße zurück.


Einrichtung von Werkstätten

Zentrale Atemschutzwerkstatt des Landkreis

Noch Anfang der 60er Jahre hatte die Freiwillige Feuerwehr Esslingen in der Feuerwache Adlerstraße außer der Fahrzeughalle im Erdgeschoss nur die Büroräume im 1. OG zur Verfügung. Auch als die Handelsschule in die John-F.-Kennedy-Schule umgezogen war, verblieben die meisten Räume in den Obergeschossen in der Hand von Schulklassen.

Trotzdem wurden auf Bestreben des Landesbranddirektors in der Folgezeit unter anderem auch in Esslingen schrittweise zentrale Werkstätten eingerichtet: Zuerst die Schlauchwerkstatt (ZSW), dann die Atemschutzwerkstatt (ZAW). Davor hatte jede Ortsfeuerwehr ihre Schläuche selbst gewaschen und meist an Telegrafenmasten getrocknet. In der Nähe der Gerätehäuser waren dazu Vorrichtungen mit Seilzug zum Aufhängen der Schläuche angebracht. In Esslingen war aber damals schon ein Waschtrog für die Schläuche im hinteren Teil der Fahrzeughalle vorhanden. Getrocknet wurden die Schläuche wie heute im Turm. Schon damals wurden für alle Esslinger Löschgruppen die Schläuche gewaschen. Es gab zwar in Wäldenbronn eine gleiche Einrichtung, die aber bald ausgebaut wurde. Anmerkung am Rande: Zum Teil wurden damals noch Hanfschläuche verwendet, die erst nach einer gewissen Zeit des Wasserdurchflusses durch Quellen der Fasern dicht wurden; im nassen Zustand waren sie dann aber nicht mehr rollbar! Die Esslinger Schläuche waren zwar schon synthetisch und innen gummiert, aber trotzdem von so schlechter Qualität, dass nach jeder Übung Berge von Schläuchen zu flicken waren. Als man schließlich erkannte, dass die Flicken teurer waren als neue Schläuche, ging man zu Neubeschaffungen über.

Im Bereich des umluftunabhängigen Atemschutzes gab es bis 1965 nur die auf der Regeneration der Atemluft basierenden Kreislaufgeräte, die sogenannten Heeresatmer. Die Geräte befreiten die im Kreislauf geführte Luft über Alkali-Patronen von Kohlendioxid und reicherten sie anschließend mit Sauerstoff aus einer Ein-Liter-Flasche wieder an. Die Sauerstoffflaschen wurden im Krankenhaus befüllt. Kreislaufgeräte waren sehr teuer in der Anschaffung und im Unterhalt. Es gab lediglich etwa zehn Stück, die auf die Löschfahrzeuge, die Drehleiter und den Schlauch-Rüstwagen verteilt waren. Entsprechend selten wurden sie deshalb eingesetzt, wobei natürlich die vom Brandrauch ausgehende Gefahr aufgrund der fast ausschließlichen Verwendung von Holz als brennbarem Baustoff geringer war als heute. Die Einsatzdauer der Geräte betrug eine Stunde. Während einer Übung wurde in der Regel nicht die ganze Stunde ausgenützt. Dann wurde aufgrund der strikten Sparsamkeit in dieser Zeit angeordnet, die Alkalipatronen für weitere Übungen zu benutzen. Da jedoch immer etwas Luftfeuchtigkeit nach Benutzung in den Patronen vohanden war, konnten sich in der Zeit bis zur nächsten Übung in geringen Mengen reizende Gase entwickeln, die zur Folge hatten, dass die Geräteträger am Tag nach der Übung mitunter heiser waren. Ein Problem der Masken war das Beschlagen während des Betriebs, weshalb spätere Modelle mit Scheibenwischer beschafft wurden. Damals hatte übrigens noch jeder Atemschutzträger seine eigene Maske, für die er selbst verantwortlich war.

Mit der Auslieferung der bundeseigenen Fahrzeuge für den Luftschutz kamen 1965 die ersten Atemschutzgeräte in der Bauform als Behältergeräte, umgangssprachlich Pressluftatmer genannt, nach Esslingen.

Es waren allerdings keine dazugehörigen Masken vorhanden. Deshalb wurden die Masken der Kreislaufgeräte mühevoll umgebaut. Die Pressluftatmer wurden anfangs in Stuttgart befüllt oder zum Hersteller eingeschickt. Als die Zahl der Pressluftatmer in Esslingen zunahm, wurde eine Atemschutzwerkstatt hauptsächlich in Eigenleistung eingebaut. 1968 wurde der erste Kompressor beschafft.

Von den Herstellern wurden in der Anfangszeit Kurse abgehalten, damit die Geräte in Zukunft von den Feuerwehren selbst gewartet werden konnten. In der ersten Zeit wurde hier nur mit den drei wichtigsten Ersatzteilen gearbeitet, bei weitergehenden Schäden konnten die Geräte wochenlang ausfallen, da die Beschaffung der Ersatzteile über die Hersteller kompliziert war. Mit der Zeit wurde ein Vorrat an Ersatzteilen angelegt, so dass alle anfallenden Arbeiten selbst erledigt werden konnten. Es wurden Kurse für alle Feuerwehren des Landkreises abgehalten und bis zur Einweihung der Zentralen Atemschutzwerkstatt in Kirchheim auch alle Geräte des Landkreises in Esslingen gewartet.


Ein neues Löschgruppenfahrzeug

Fahrzeuge vor der Feuerwache Adlerstraße Mitte der siebziger Jahre

Nicht nur in heutiger Zeit knapper finanzieller Mittel, sondern auch schon Anfang der 70er Jahre gab es Schwierigkeiten bei der Beschaffung neuer Fahrzeuge, wie am Beispiel eines Löschgruppenfahrzeugs LF 16-TS für die Feuerwache Stadtmitte gezeigt werden kann. Nachdem seit 1969 kein städtisches Löschgruppenfahrzeug mehr vorhanden war, stand nur noch ein Fahrzeug des Bundes vom Wasserversorgungszug (LSHD) zur Verfügung. Das Fahrzeug war für den selbständigen Einsatz nicht geeignet, da wichtige Geräte (z.B. Schaumausrüstung, Sprungtuch, Sanitätskasten) fehlten. Außerdem war die Entnahme der Geräte wegen des Allradfahrgestells für kleine Feuerwehrleute ein großes Problem. Der Mannschaftsraum war vom Fahrerraum getrennt im Aufbau untergebracht, und es bestand keine Sichtverbindung nach vorne: „Manchen wird’s beim Fahren übel" (Brief Huissel an Oberbaurat Schneider, 25.08.1971). Das Hauptproblem aber war die mangelnde Verfügbarkeit des Fahrzeugs für die Stadt, falls es für Übungen oder Einsätze unter Umständen im ganzen Bundesgebiet zur Verfügung stehen musste.

Der Genehmigung der Neubeschaffung durch den Gemeinderat ging ein langer Kampf um die benötigten Haushaltsmittel voraus: Es wurden die bereits zugesagten Mittel für eine Neubeschaffung 1970 und 1971 wieder aus dem Haushaltsplan gestrichen. Als das Fahrzeug auch 1972 wieder herausgenommen werden sollte, kam es zu einem regelrechten Papierkrieg zwischen den beteiligten Stellen, in dem zunächst Oberbürgermeister Klapproth von der Notwendigkeit der Beschaffungsmaßnahme überzeugt werden konnte, der sich dann vehement für die Wiederaufnahme in den Haushaltsplan einsetzte.

Vom damaligen Kommandanten wurde sogar mindestens ein Stadtrat persönlich angeschrieben, um ihn von der Notwendigkeit zu überzeugen. Nach zähem Ringen mit dem Technischen Ausschuss gelang es schließlich, quasi in letzter Sekunde „zum Wohle der Stadt"(Brief Huissel an Stadtrat Sommer 07.01.1972) das Fahrzeug vor dem Rotstift zu retten. Im Haushaltsplan 1972 wurden die Mittel für das Fahrgestell eingestellt, die Mittel für den Aufbau im Nachtragshaushaltsplan 1972. Der Oberbürgermeister verfügte auf dem Weg der Eilentscheidung die Auftragsvergabe für das Fahrgestell an Daimler-Benz, „dem technischen Ausschuss des Gemeinderates war von dieser Eilentscheidung in der nächsten Sitzung Kenntnis zu geben"(Eilentscheidung des OB nach § 43 Abs. 4 GO vom 2.8.72). Noch 1972 konnte auch der Auftrag zum Bau des Aufbaus erteilt werden. Hier wurde durch Preisvergleich „bei sonst gleicher Qualitätsarbeit"(Antrag Tiefbauamt an Technischen Ausschuss) der Firma Ziegler der Zuschlag erteilt. 1974, also 5 Jahre nach Aussonderung des Vorgängers konnte das neue Löschgruppenfahrzeug LF 16-TS endlich ausgeliefert und in Dienst gestellt werden. Das Fahrzeug blieb 25 Jahre im Dienst der Feuerwache Stadtmitte. Es wurde 1999 zu seinem zweiten Leben von einer weißrussischen Delegation in Esslingen abgeholt und mit Beladung nach Molodetschno überführt. In der Esslinger Partnerstadt ist es den örtlichen Belangen folgend umgebaut worden und wird weiterhin eingesetzt.


Bau einer Krankenteragenhalterung für die Drehleiter

Vorstellung der Krankentragenhalterung bei einer Übung hinter der Stadtkirche

Anlass für diese Esslinger Eigenkonstruktion war ein Einsatz im Jahr 1973. Nach einem Bauunfall in Tischardt musste ein verletzter Arbeiter über die Drehleiter aus großer Höhe gerettet werden. Da die Nürtinger Feuerwehr zu diesem Zeitpunkt keine geeignete Drehleiter zur Verfügung hatte, wurde die Drehleiter aus Esslingen alarmiert. Damals musste die Krankentrage provisorisch mit Seilen auf dem stehenden Korb befestigt werden um die Rettung durchführen zu können. Für alle Beteiligten war klar, dass sich so ein Fall nicht wiederholen dürfe. Es wurde eine entsprechende Halterung für die Krankentrage konstruiert. Die Halterung bestand im wesentlichen aus zwei U-Schienen aus Stahl. Ein Drehkranz war nicht vorhanden, weshalb das betreffende Haus immer im rechten Winkel angeleitert werden musste. Zum Transport wurde die Halterung hinter der Staffelkabine befestigt. Problematisch war die zulässige Korbbelastung, da die Drehleiter lediglich einen Zwei-Mann-Korb besaß und die Krankentragenhalterung selbst sehr schwer war. Zur Begleitung des Patienten im Korb musste also immer ein besonders leichter Feuerwehrmann eingesetzt werden. Die Esslinger Erfindung war Thema eines Fernsehbeitrages des damaligen SDR. Im Rahmen einer Übung kam die Drehleiter dabei am Kessler-Haus zum Einsatz. Es waren neben der Freiwilligen Feuerwehr Esslingen auch die neuesten Fahrzeuge von Polizei und Deutschem Roten Kreuz beteiligt. Der Streifenwagen der Polizei wurde nach zweiwöchigen Verhandlungen eigens für die Fernsehsendung von Stuttgart nach Esslingen beordert!

Alle später beschafften Drehleitern der Freiwilligen Feuerwehr Esslingen sind mit einer Krankentragenhalterung ausgestattet und kommen regelmäßig zur Unterstützung des Rettungsdienstes zum Einsatz, wenn zum Beispiel die Enge des Treppenhauses einen Transport des Patienten auf diesem Weg nicht zulässt. Durch den Drei-Mann-Korb der Drehleiter Baujahr 2000 und die Konstruktion der Halterung aus Aluminium konnte auch das Problem der Korbbelastung zufriedenstellend gelöst werden.


Der Schnellbergungswagen SBW

SBW in der Feuerwache Adlerstraße

Die Idee zu diesem Fahrzeugtyp stammte vom Esslinger Motorjournalist Eberhard Hemminger, der in der Björn-Staiger-Stiftung einen interessierten Sponsor fand. Eberhard Hemminger legte beim Bau auch selbst Hand an. Die Beladung wurde von ihm bei verschiedenen Firmen „zusammengesucht", alles, was der schnellen Rettung bei Verkehrsunfällen dienen konnte, sollte verlastet sein. Das Fahrzeug sollte überall einsetzbar sein, vor allem auch dort, wo bisher die breiten und schweren Rettungsfahrzeuge im Verkehrsstau stecken blieben. Das geländegängige Fahrzeug vom Typ Range Rover besaß einen 8-Zylindermotor mit 132 PS und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h. Der SBW sollte die Einsatzstelle „notfalls über Wiesen, Gräben und Äcker hinweg" (Presse-Information) anfahren um Unfallopfer zu befreien. Finanziert wurden die ersten Fahrzeuge in erster Linie durch Spenden.

Und so kam nach der Berufsfeuerwehr Stuttgart die Freiwillige Feuerwehr Esslingen in die glückliche Lage, den zweiten Schnellbergungswagen im Land zur Verfügung gestellt zu bekommen. Bis auf einen Restposten von 5000 DM konnte das Esslinger Fahrzeug durch Spenden finanziert werden! Die Einweihung wurde in großem Rahmen auf dem Inneren Burgplatz gefeiert. Alles, was im Rettungswesen Rang und Namen hatte, versammelte sich dort und verfolgte während einer „integrierten Rettungsübung" das ausgeklügelte Zusammenspiel von Schnellbergungswagen, dem Notarztwagen, der damals auch noch nicht allzu lang Standard war, sowie einem Rettungshubschrauber.

Vom damaligen Kommandanten Herbert Mößner wurde zum Bau des Fahrzeugs beim Regierungspräsidium Stuttgart eine Ausnahmegenehmigung zur Lackierung in Tagesleuchtrot RAL 3024 beantragt. Dem Antrag wurde stattgegeben, und so war der Range Rover das erste und lange Zeit einzige Fahrzeug mit der neuen Farbe in Esslingen. Dies sollte bis 1999 so bleiben.

Am 6.7.1975 wurde der Schnellbergungswagen um 2:48 Uhr zu seinem ersten Einsatz in der Nähe der Berkheimer Linde gerufen. Nach dreiminütiger Anfahrt wurde eine Person mit dem hydraulischen Spreizer gerettet. Neben den Einsätzen im Stadtgebiet Esslingen wurde der Schnellbergungswagen auch bei zahlreichen Unfällen im Landkreis eingesetzt. Dies führte anfänglich jedoch auch zu Konflikten, wie ein Einsatz im Oktober 1975 zeigte. Kreisverordneter Ludwig König, Frickenhausen, hatte sich in verschiedenen Leserbriefen und in einem Brief an Landrat Dr. Braun darüber beschwert, „dass zu einem schweren Unfall im Tiefenbachtal, bei dem ein PKW-Fahrer eingeklemmt worden war, der Schnellbergungswagen aus Esslingen alarmiert wurde, statt die Nürtinger Feuerwehr zu alarmieren". Der Nürtinger Polizei wurde daraufhin untersagt, den Schnellbergungswagen aus Esslingen anzufordern, „bevor nicht die Nürtinger Feuerwehr an einem Unfallort eingetroffen ist und über die Anforderung des Schnellbergungswagen entschieden hat" (Albrecht G. Thaer, Journalist).

Im Rückblick jedoch hat sich das Fahrzeugkonzept des Schnellbergungswagens hervorragend bewährt, wie die hohen produzierten Stückzahlen des später als Vorausrüstwagen in die Normung aufgenommenen Fahrzeugtyps zeigen.


Veränderung bei der Kommunikationstechnik

Integrierte Leitstelle Esslingen in der Feuerwache Adlerstraße 1977

Eine Verbesserung des Notrufsystems wurde im Jahr 1977 erreicht, indem in 500 Telefonzellen im Landkreis münzlose Notruf-Melder installiert wurden.

Die Esslinger Zeitung schrieb: "Das rechteckige schwarze Kästchen hat keine Wählscheibe, sondern lediglich einen Hebel, der nach links bewegt die Feuerwehr, nach rechts die Polizei alarmiert (...). Die münzlosen Notrufer sollen vorwiegend in den in Randgebieten der Städte und Gemeinden gelegenen Telefonzellen installiert werden, weil gerade die neuen Siedlungsgebiete anfälliger sind, wenn es um die Alarmierung von Polizei und Feuerwehr geht. Wie oft ist man hilflos, beispielsweise auf dem Nachhauseweg von der Haltestelle, wenn irgend etwas passiert und dann noch an der Telefonzelle die zwei Zehner fehlen."

Außerdem wurde im Jahr 1977 die Zentrale der Feuerwehr grundlegend aus- und umgebaut, da die Technik veraltet war und die Zentrale der Feuerwehr mit der Zentrale des DRK zusammengelegt werden sollte. Dazu wurden durch verschiedene Baumaßnahmen die entsprechenden Räumlichkeiten im 2. Obergeschoß der Feuerwache Adlerstraße geschaffen, die dann mit entsprechender Technik ausgestattet wurden. Es handelte sich um die erste Leitstelle mit Rechnerunterstützung; der Rechner und die Programme waren für Feuerwehr und Rettungsdienst identisch. Damit war die "Integrierte rechnerunterstützte Leitstelle Esslingen" (ILSE) geboren. Mit ihrer Hilfe wurden jetzt die Notrufe auf einem einheitlichen Standard bearbeitet, zumal seit 1976 nahezu alle Feuerwehrnotrufleitungen 112 aus dem gesamten Landkreis Esslingen - ausgenommen Kirchheim - in der Feuerwehrnotrufzentrale Esslingen aufgeschaltet waren. Außerdem wurde die zentrale Funkwerkstatt des Tiefbauamts auf dem gleichen Stockwerk erweitert, die in diesen Jahren durch die Neuaufteilung der Funkfrequenzen und den damit verbundenen landesweiten Umstellungen der Funkmeldeempfänger und Funkgeräte stark gefordert war. Die städtische Telefonzentrale war jetzt ebenfalls Wand an Wand mit der Leitstelle benachbart.



Info

In Notfällen erreichen Sie uns ausschließlich über den europaweiten

NOTRUF 112


Kontakt

Feuerwehr Esslingen am Neckar
Geschäftsstelle
Pulverwiesen 2
73728 Esslingen am Neckar
Telefon (07 11) 35 12-37 00


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